Wurzelbehandlung

Eine Wurzelkanalbehandlung ist eine diffizile Zahnbehandlung in der Endodontie bei der versucht wird, einen Zahn zu erhalten, wenn dessen Mark irreversibel geschädigt ist (entzündet oder abgestorben).

Eine Wurzelbehandlung

Medizinischer Hintergrund

Die Ursachen für die Entzündung des Zahnmarks (Pulpitis) sind vielfältig. Meist beginnt es mit einem kariösen Defekt, der als Eintrittspforte für Krankheitserreger dient und nicht unbedingt Schmerzen verursacht. Aber auch eine Zahnfraktur oder ein Behandlungstrauma, zum Beispiel durch das Beschleifen für eine Zahnkrone, kann zu einer Pulpitis führen. Eine akute Pulpitis kann äußerst schmerzhaft sein. In vielen Fällen verläuft diese Entzündung der Pulpa auch fast schmerzfrei, das Zahnmark stirbt dann ab und die Keime breiten sich im System der Wurzelkanäle aus. Der Körper kann außerhalb des Zahnes mit einer Entzündung des Zahnhalteapparates (Parodontitis apicalis) reagieren. Diese stellt eine Abwehrreaktion des Immunsystems dar. Eine Parodontitis apicalis kann in einer akuten oder einer chronischen Form vorliegen. Die akute Form ist oft mit Schmerzen verbunden, sie kann unter Umständen röntgenologisch nur schwer verifiziert werden, während eine chronische Parodontitis apicalis bei einer Auflösung der Knochenstruktur im Bereich der Wurzelspitze im Röntgenbild gut sichtbar sein kann.

2 Möglichkeiten

Reinigung

Nach einer Längenbestimmung des Wurzelkanals bzw. der -kanäle (anhand eines Röntgeneinzelbilds in Verbindung mit speziellen Messnadeln oder auf elektrischem Weg (Endometrie)) werden die Kanäle mit Handfeilen und/oder maschinell angetriebenen rotierenden Instrumente konisch erweitert ("aufbereitet"). Durch Spülungen mit diversen Lösungen (NaOCl, EDTA, H2O2(3%ig), CHX) wird Debris aus den Kanälen entfernt, die Schmierschicht beseitigt und Mikroorganismen bekämpft. Auf diese Weise können auch Kanalverzweigungen bzw. infizierte Dentinbereiche desinfiziert werden, die einer instrumentellen Aufbereitung nicht zugänglich sind.

Ausformung

Die eingesetzten Wurzelkanalinstrumente dienen daher neben dem Dentinabtrag (im Sinne der Reinigung) vorrangig zur Formgebung der Wurzelkanalhohlräume. Die Instrumente schaffen durch die Bearbeitung der Wurzelkanalwände Platz um die Effizienz der eingesetzten Spüllösungen zu verbessern und um ein definiertes Profil zum vorhersehbaren Verschluss zu präparieren.

Füllung

Nach der Reinigung und Ausformung der Wurzelkanäle werden die Hohlräume gefüllt. Dies erfolgt heute überwiegend mit Guttapercha und einem Dichtzement (Sealer). Die Wurzelfüllung sollte möglichst viel Guttapercha und möglichst wenig Sealer enthalten, weil die Guttapercha das biokompatiblere und stabilere Material darstellt. Einige Füllmethoden sind erheblich aufwändiger, weil bei diesen die gereinigten Hohlräume mit erwärmter und plastisch verformbarer Guttapercha verschlossen werden (z.B. vertikale Kondensation). Aus verschiedenen Gründen können zwischen zwei Behandlungssitzungen medikamentöse Einlagen in die Wurzelkanäle eingebracht werden (meist Calciumhydroxid). In diesen Fällen werden die Wurzelkanäle erst in einer weiteren Behandlungssitzung endgültig verschlossen.

Komplikationen können entstehen durch:

In solchen Fällen ist eventuell eine Wurzelspitzenresektion mit retrograder Wurzelfüllung indiziert. Alternativ kann eine Revision der Wurzelbehandlung angebracht sein, der im Regelfall der Vorzug vor einer Wurzelspitzenresektion gegeben werden sollte. Hierzu die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kiefernheilkunde:
"Ein Verzicht auf eine orthograde Revision und die Entscheidung für einen rein apikalchirurgischen Eingriff ist nur dann sinnvoll, wenn auf orthogradem Wege ein ausreichender Zugang in das endodontische System oder eine Verbesserung des Zustandes auf orthogradem Wege nicht möglich/wahrscheinlich erscheint."

Ungeachtet des aktuellen Stands der Wissenschaft sind im deutschsprachigen Raum Revisionen einer Wurzelbehandlung nach wie vor selten, während sich die Wurzelspitzenresektion weiterhin großer Beliebtheit erfreut. Dies hängt auch mit der geringen Zahl endodontisch bewanderter Zahnärzte zusammen, die die relativ schwierig durchzuführende Operation bewerkstelligen können. In Ländern wie den USA gibt es im Gegensatz dazu in vielen Orten Fachzahnärzte für Endodontie.